Soli Deo Gloria

Im Leben und Sterben: Einheit mit Christus!

Mediengebrauch

Als „Kind der Digitalisierung“, aufgewachsen mit Computer (geboren im Jahr des Internets: 1993) und vielen technischen Hilfsmitteln einerseits, als Kenner des Inneren der Technik (Elektronik-Spielzeugkästen, etc.) und als Wertschätzer von Büchern stehe ich, wie viele von uns in einer Situation, in der es durchaus angemessen ist, über die Frage der Nutzung der Technik und vor allem der Auswirkung der Nutzung der Technik Gedanken zu machen.

So einfach wie Stephen Altrogge möchte ich es mir nicht machen (Don’t let Google make you stupid), aber dennoch ist mir dir Frage in letzter Zeit immer wieder wichtig geworden, was Technikgebrauch eigentlich mit unserem Denken (und dementsprechend auch mit unserem Handeln) macht.

Web 1.0 | Web 2.0 | Web 3.0 | Web 4.0

Eine Web-Entwicklungs-Achse; diese Kategoriesierung könnte hilfreich werden. Dennoch denke ich, dass der wensen-tliche Unterschied zwischen Web 1.0 und Web 2.0 besteht, alles andere ist Feinunterteilung - Image by louisvolant via Flickr

Als Grundkategorien möchte ich Web 1.0 und Web 2.0 (bzw. Technik 1.0 und Technik 2.0) einführen, welche für mich unterschiedliche Bedeutungen haben.

So ist Web 1.0 nichts weiter, als die Erfüllung des Wunsches, eine Enzyklopädie in einer Form vorliegen zu haben, in welcher innerhalb der einzelnen Artikel auf andere Artikel verwiesen werden kann. Viele Teile des Internets sehen auch noch so aus, dass „bloße Digitalisierungen von Buchtexten“ gewisse Vorteile (des Verweisens, Bearbeitens und der Mobilität) mit sich bringen.

Ich denke, dass viele der Nutzer von Technik noch eine 1.0-Nutzungsweise haben, aber nur durch bewussten Umgang ist feststellbar, ob wir uns nicht in einem Übergang in die 2.0-Nutzungsweise befinden, oder gar unser Denken schon verändert wurde.

Web 2.0 ist die (zunächst gar nicht geplante) Weiterentwicklung dieses „Digitalisierungs-Gedankens“, welche zu neuen Denkstrukturen führt.

Hieran wird auch schon sichtbar, dass der Übergang von Technik 1.0 zu Technik 2.0 nicht eindeutig erkennbar ist. So ist eine Google-Maps-Karte doch zunächst „nur Digitalisierung“ unserer alten Karten, andererseits ist gerade die Mobilität dieser Karte ein Anstoß zur Veränderung des Denkens („Ich kann ja dann unterwegs nachschauen, wo genau ich hinmuss“ statt „Vorher ist alles genauestens geplant“).

Weitergedacht ist eigentlich auch der Entwicklung des Web 1.0 eine Denkveränderung einbeschrieben: Artikel werden kürzer, da ja auf andere Artikel verwiesen werden kann. Andererseits möchte ich hier die Abgrenzung von Web 1.0 und Web 2.0 dort setzen, wo der Digitalisierungsgedanke durch einen anderen Gedanken ersetzt wird. Das heißt, dass z.B. der Kindle m.E. eine Web-1.0-Entwicklung ist, da dieser „nur“ Bücher in digitaler Form verfügbar macht. Auch wenn durch die Mobilität eventuell der Planungsgedanke beim Verreisen („Wie viele Bücher nehme ich mit?“) verändert wird, so ist doch in der Nutzung des Kindles keine wesentliche Veränderung zum Buch feststellbar.

Ist nun Google-Maps „bloß“ eine digitale Landkarte, dann ist dies Web 1.0; und das ist in den meisten Kontexten der Fall.

So könnte man eventuell (hier habe ich noch nicht zu Ende gedacht) den Web-2.0-Gedanken durch „Vernetzung“ beschreiben. Nicht mehr die Informationen sind wichtig, nicht einmal die Orte der Informationen, sondern die Vernetzung der Informationen sind von Bedeutung.

Andererseits ist diese Definition sehr theoretisch und kaum praxistauglich.

Die Einführung des Wortes Web 2.0 beruhte auf dem Gedanken der Interaktivität. Insofern ist auch hier eine Denkstruktur-Veränderung sichtbar. Nicht mehr das bloße digitale Lesen, sondern vielmehr das Interagieren mit Informationen (Wikipedia) oder Personen (zeitverzögert: YouTube, oder direkt: Skype, Chat, etc.) steht im Vordergrund. Inwieweit verändert dies unsere Auffassung von „Kennen“ (Ich kenne diese Person) von „Treffen“ (Ich habe etwas mit der Person gemacht) und – in Anbetracht des biblischen Wortes vom „Blicken auf Jesus“ – vom „Sehen“ (Ich habe John Piper gesehen; ja, bis jetzt nur online – im Mai dann auch real).

Weiter ist noch die Frage zu stellen, ob diese Denkveränderung positiv oder negativ gesehen werden sollte. Hier ist aus christlicher Sicht natürlich ein Standpunkt einzunehmen, der die Rolle des geschriebenen Wortes hochhält. Gott offenbart sich nicht in einem Informations-Netz, sondern in einem Buch, in einer Bücherei. Natürlich verweisen die einzelnen Teile aufeinander – und die Digitalisierung kann uns helfen, gewisse Passagen (konkordanzartig) schneller zu finden oder (Cross-Refenereces) miteinander zu verknüpfen. Die Frage, ob unsere Exegese durch Digitalisierung aber wesen-tlich verändert werden sollte, ist eine andere: Spielen die Bibelverse und deren Inhalt eine vorrangige Rolle, oder spielt das Netz der Verse die vorrangige Rolle?

So gibt es hier sehr viel Diskussionspotential, welches ich – so Gott will – in Zukunft einmal angehen werde. Dazu lese ich einerseits die Philosophen der letzten Jahre (McLuhan, Luhmann, Derrida, Neil Postman etc.), andererseits z.B. Tim Challies (The next Story).

Marshall McLuhan in the early 1970s

McLuhan - Image via Wikipedia

Aus der christlichen Szene ist mir zu dem Thema der „Medialität“ nicht viel bekannt, wer hier Vorschläge hat möge gerne Kommentieren.

Ich werde mich mit diesem Thema von der Theoretischen Seite beschäftigen. Nicht die praktische Seite (Internetpornographie, Erziehung und Internet, Technik und Kinder, etc.) ist für mich hier von direktem Interesse (dazu gibt es auch schon einige Schriften aus christlicher Sicht), sonder das Legen des theoretischen Fundamentes ist mein Anliegen. Wenn wir unsere praktischen, christlichen Standpunkte letztlich nicht im Angesicht konstruktivistisch-medialitstischer Konzepte vertreten können, dann ist die Lösung, eine christliche Medientheorie zu entwickeln. (Nicht, dass dies ein zentrales Thema der Christenheit wäre – aber sich mit dem weltlichen Standpunkt auseinanderzusetzen und diesen, wo nötig, zu wiederlegen ist durchaus bedeutungsvoll; das zeigt unser Umgang mit Wissenschaft in anderen Bereichen ja auch – z.B. Evolution.)

Ein weiteres Motiv, die Medientheorien von christlicher Seite zu beleuchten ist, das einige Medientheoretiker explizit auf den „Mittler“ (Mediator) Jesus Bezug nehmen, um die Theorien darzulegen. So ist für McLuhan „the medium is the message“ durch Jesus als Medium (Vermittler), der gleichzeitig selbst die Botschaft ist, begründbar. Leichtfertig diese Fakten hinzunehmen ist aber nicht gerechtfertigt, sodass eine Beschäftigung mit diesem Thema – so Gott will – für mich in Zukunft eine gewisse Bedeutung haben wird.

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