Soli Deo Gloria

Im Leben und Sterben: Einheit mit Christus!

Warum Gott (Tim Keller) – Rezension

Mit der Rezension von Büchern habe ich bisher noch nicht angefangen, insofern widme ich nun also meine erste Rezension dem Buch Warum Gott? (Engl.: The Reason for God) von Timothy Keller.

Warum Gott? BildDas etwas mehr als 300 Seiten umfassende Buch, dessen Titel sich schon selber erklärt, ist eine große Empfehlung von mir! Man könnte den Bereich des Buches mit dem hochgestochenen Wort „Apologetik“ beschreiben, was aber dem sehr gut lesbaren Niveau des Buches entgegenstreben würde, welches m.E. für nahezu alle Altersklassen (schon ab Teenager-Alter) geeignet ist.

Dieses Buch richtet sich zunächst natürlich an Skeptiker des christlichen Glaubens, die sich mit Fragen wie „Die Bibel kann zumindest in dem Punkt der Schöpfung nicht wahr sein, da Evolution doch bewiesen ist, oder?“ oder „Wie kann ich mir sicher sein, dass das alles stimmt; gibt es nicht mehrere Wahrheiten?“ herumplagen. So werden auch Fragen nach Leid oder Hölle als möglichem Grund der Ablehnung Gottes, sowie ganz allgemeine Zweifel in diesem Buch angesprochen.  Wer also ein Buch
an Skeptiker verschenken möchte,  ist mit diesem Buch gut bedient.

Weiter ist das Buch also daraus folgend auf jeden Fall für solche Personen geeignet, die in ihrem Umfeld häufig Diskussionen über oben genannte Themen führen. Viel interessanter fand ich aber – ich habe das Buch „ohne speziellen Grund“ gelesen –, dass es gar keines Verwendungszweckes bedarf (der wird früher oder später auf jeden zukommen), sondern, dass jeder Christ aus diesem Buch lernen kann. Ist Glaube unlogisch? Nein! Und inwieweit ist er logisch? Da hört es meistens auf… Dieses Buch hilft jedem weiter, der das Gebot „du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben – von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Verstand“ erfüllen möchte (und dazu sollten wir alle gehören!).

Wer nun denkt, dieses Buch richtet sich nur an das Denken, der liegt falsch. Während des Lesens musste ich auch kurze Pausen machen, und mir die Größe und Herrlichkeit Gottes einfach „auf der Zunge zergehen lassen“, ein paar Minuten „bei diesem Anblick“ innehalten. Hier hat sich einmal wieder die (biblische) Weisheit John Pipers bewahrheitet, dass Freude durch Wahrheit ausgelöst wird.

Wenn man von Wahrheit spricht, dann denkt man häufig an lieblose oder harte (oder zumindest hart vermittelte) Wahrheit. Das ist aber bei Tim Keller keineswegs der Fall; vielmehr vereint er die Aspekte „Gnade und Wahrheit“ (siehe Joh 1:14), so wie auch Jesus Wahrheit in Liebe brachte.

Bevor ich nun in die Einteilung des Buches einsteige, und einzelne Argumente kurz darlege, möchte ich noch eine Vorbemerkung zum Stil machen:

Manch einer, wahrscheinlich Theologe oder Gelehrter, mag sich über den Stil des Buches in Hinsicht auf die Argumentationsweise der christlichen Apologetik Gedanken machen – mich in den letzten Wochen etwas damit beschäftigend habe auch ich es getan. Da ist aber bei diesem Buch m.E. nicht von allzu großer Bedeutung. Tim Keller verwendet evidentialistische Beweisführung und hat doch zugleich auch presuppositional (also voraussetzende) Argumente. Was ich hier betonen möchte ist dies: Er schreckt nicht davor zurück, gute wissenschaftliche und philosophische Argumente mit guter (logischer) Predigt zu verbinden. Die Rückführung jedes wissenschaftlichen Argumentes auf die Predigt des Evangeliums ist der Hauptgrund meiner Empfehlung dieses Buches!

Nun zu der Einteilung und den Argumenten des Buches:

Das Vorwort der deutschen Auflage des Buches ist vom Charakter her völlig anders als das Buch. Der Eine mag es abschreckend finden, der Andere mag sagen, dass es sehr gut gelungen ist; darüber möchte ich hier aber nicht diskutieren – es geht ja schließlich um den Inhalt des Buches.

Warum Gott? teilt sich in zwei Teile auf „Teil 1: Der Sprung in den Zweifel“ und „Teil 2: Warum es Sinn macht zu glauben“ ergänzen sich gut. Im ersten Teil werden allgemein bekannte Einwände gegen den Anspruch des Christentums, (einzig) wahre „Religion“[1] zu sein, behandelt. Dazu gehören 7 Kapitel, deren Überschriften jeweils den, dem Christentum entgegengebrachten Vorwurf beinhalten:

1.“Es kann nicht nur eine wahre Religion geben“ 2.“Wie kann ein guter Gott Leiden zulassen?“ 3.“Das Christentum ist eine Zwangsjacke“ 4.“Die Kirche ist für so viel Unrecht verantwortlich“ 5.“Wie kann ein liebender Gott die Menschen in die Hölle schicken?“ 6.“Die Wissenschaft hat das Christentum doch längst widerlegt“ 7.“Man kann die Bibel doch nicht wörtlich nehmen“

In 1. geht T. Keller auf den Relativismus ein und klärt auf, dass auch die Aussage, dass alles relativ sei dann relativ sein müsste (siehe auch hier[2]).
In 2. geht er darauf ein, dass die Existenz des Bösen nicht gegen, sondern für Gott spricht – woher wüssten wir sonst z.B. überhaupt, dass Böses böse ist. (Wie in vielen Teilen des Buches führt er oft weltliche Philosophen an, um weltliche Einwände zu widerlegen und bringt dann das Christentum „ins Spiel“.) Er schließt mit einem längeren Hinweis auf den leidenden Jesus.
In 3. zeigt er, dass Wahrheit immer einengt – und, dass, das Christentum (z.B. in Bezug auf Kultur) die am meisten Freiheit liefernde „Religion“ (d.h. hier: Aussagen, wozu Menschen leben und wie sie leben sollten) ist.
In 4. muss er zugeben, dass viele Christen (und andere Religionen) für Gewalt verantwortlich waren; kann aber damit enden, dass es ohne Religionen noch viel gewaltvoller gewesen wäre und dass das Christentum die friedlichste aller Religionen ist.
In 5. kann Keller zeigen, dass ein Gott ohne existierende Hölle kein Gott wäre.
In 6. geht es um das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft.
In 7. werden historische Einwände und literarische Einwände angerissen, sowie dafür plädiert, die ganze Bibel als Gottes Wort zu sehen.

Der zweite Teil dann ist keine Verteidigung gegen äußere Widersprüche, sondern ein Plädoyer für die „innere Widerspruchslosigkeit“ (also wahre Apologetik nach B.B. Warfield).

Zunächst werden die philosophischen „Gottesbeweise“ unter dem Namen „Fingerzeige“ eingeführt. Timothy Keller gebraucht diese also nicht als wasserdichten Beweis, sondern als Evidenzen. Dann geht er auf die Notwendigkeit einer wahren Religion aufgrund der Menschenrechte ein – die vorrangig durch die Christenheit geprägt wurden. Außerdem lässt sich nur durch das Konzept der Sünde (die Lösung zu diesem Problem liefert Keller in erstaunlich guter Weise am Ende des Kapitels) erklären, wie der Mensch wirklich beschaffen ist. Danach werden „Religion und Evangelium“ gegenübergestellt: Was macht die Botschaft des Christentums so einzigartig und so viel logischer als alles andere?! Die letzten drei Kapitel sind gefüllt von Erläuterung unserer Rettung – alles auf logisch hohem Niveau. Der Leser ist zu diesem Zeitpunkt so an den Stil Kellers gewöhnt, dass er gerne noch weiter liest.

Nach beiden Teilen gibt es eine Bilanz. In der Zwischenbilanz geht es noch einmal reflektierend um Wissenschaft und Gott. Im Schlussteil ist dann der Aufruf, auch über die Konsequenzen für das eigene Leben nachzudenken, eingeschlossen.

Eine Abschlussbemerkung vielleicht noch: Ich empfehle dieses Buch zum einen jedem Skeptiker, zum anderen jedem Christen, da die Argumentation nicht schwer und dennoch tiefgehend ist, die Mischung von Rationalität und Predigt wunderschön ist, und die Übersetzung gut gelungen ist (was bei manchen anderen Büchern solchen Charakters ja nicht immer der Fall ist).


[1] Keller benutzt das Wort Religion im ersten Teil des Buches im Sinne des allg. Sprachgebrauches auch für das Christentum, geht aber in einem Kapitel im zweiten Teil auch auf die Gegenüberstellung von Religion und Evangelium ein.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 26. August 2011 von in Bücher, Rezensionen und Empfehlungen und getaggt mit , , , , .

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