Soli Deo Gloria

Im Leben und Sterben: Einheit mit Christus!

Infralapsarianismus

Ein – wie viele finden – nicht besonders hilfreiches Thema der Theologischen Debatten der Zeit direkt nach Calvin soll heute etwas mehr beleuchtet werden:

Was sind Infra-, Sub- und Supralapsarianismus – und vor allem, was bringt diese Debatte (zumindest ansatzweise)?

(Es gibt hierzu wenig, wenn fast gar kein Material auf Deutsch, darum mein Entschluss vieles zu übersetzen.)

Kurze Definitionen:

Lapsarianismus ist eine Sammlung von Lehren zur Beschreibung der theoretischen Reihenfolge der Beschlussfassung Gottes (in seinem Willen, vor Beginn aller Erschaffung), welche im speziellen die Reihenfolge seiner Beschlussfassung in Bezug auf den Fall des Menschen und die Verwerfung. Der Name dieser Lehre kommt vom Lateinischen lapsus, was Fall bedeutet. [*1]

Infralapsarianismus sieht Gottes Beschlussfassung in folgender Reihenfolge: (1) Gott beschließt die Erschaffung der Menschen, (2) Gott beschließt, dass die Menschen durch Selbstbestimmung fallen können würden, (3) Gott beschließt manche der Gefallenen zu retten, und (4) Gott beschließt Jesus Christus als den Retter zu senden.

Sublapsarianismus ist dem sehr ähnlich, und sieht Gottes Beschlussfassung in dieser Reihenfolge: (1) Gott beschließt die Erschaffung der Menschen, (2) Gott beschließt, dass die Menschen durch Selbstbestimmung fallen können würden [Anm.: manche Sublapsarianisten betonen besonders das „Zulassen“ des Falls, andererseits sehen auch Infralapsarianisten einen Fall durch Selbstbestimmung.], (3) Gott beschließt Rettung durch den Retter Jesus Christus (für alle), und (4) Gott beschließt manche zu erwählen, die er retten wird.

Supralapsarianismus sieht Gottes Beschlussfassung in folgender Reihenfolge: (1) Gott beschließt die Erwählung einiger und die Verwerfung anderer Menschen, (2) Gott beschließt die Erwählten und die Verworfenen zu erschaffen, (3) Gott beschließt den Fall zuzulassen, (4) Gott beschließt Rettung für die Erwählten in Christus Jesus. [*2]

Wenn wir uns diese Definitionen ansehen, so werden wir Theologen immer in ein Raster einordnen können, die obige Einteilung ist dafür aber keinesfalls sonderlich hilfreich.

Wie die Grafik bei en.Wikipedia.org ([*1]) zeigt, können wir vereinfachend auch von zwei Denk-Formen sprechen. Infra- und Supralapsarianismus.

In einem kurzen Artikel geht John Frame nun (hier) auf die Bedeutung dieser Diskussion für die heutige Theologie ein (und benutzt dabei nur die gerade erwähnte Zweiteilung). Diesen möchte ich hier (übersetzt) darstellen. Dabei Bezieht er sich auch auf Bavincks Ausführung (hier zu finden). Auch den ersten Teil zur Definition habe ich hier mit dargestellt:

INFRALAPSARIANISMUS

von John Frame

In der auf den Tod Calvins folgenden Zeitspanne gab es eine große Diskussion unter Reformierten Theologen in Bezug auf die „Reihenfolge der Beschlussfassung Gottes“. Die zwei vorreitenden Ansichten waren Infralapsarianismus und Supralapsarianismus.

Beide Seiten stimmen darin überein, dass Gott alle Dinge gemäß seinem ewigen Plan, gemäß seiner Beschlussfassung hat kommen lassen. Sie unterschieden sich aber in Bezug auf das, was wirklich in dem göttlichen Willen [engl.: mind] vorgegangen war als Gott diese ewigen Pläne formuliert hat. In der spuralapsarianistischen Ansicht war es Gottes höchstes Verlangen, sich selbst in der Rettung spezieller menschlicher Wesen zu verherrlichen. Um das zu erreichen hat er bestimmt diese Menschen zu erschaffen und auch zuzulassen, dass sie in Sünde fallen. Diese [die Supralapsarianisten] beschrieben diesen ewigen göttlich gedachten Prozess durch eine geordnete Liste von Beschlussfassungen: 1. Erwählung-Rettung, 2. Schöpfung, 3. Zulassen des Falls.

Die Infralapsarianisten hingegen meinten, dass diese Reihenfolge den Fall zu einer Art Aufwertung der Erfüllung von Gottes Erlösungs-Verlangen machen würde; und es darin das Schlechte der Sünde aufs Spiel setzen würde [oder: das Verständnis des Schlechten der Sünde verlieren (bzw. kompromittieren) würde]. Sie schlugen eine entgegengesetzte Reihenfolge vor, welche jeden Versuch den Fall so zu erklären zurückwies: 1. Schöpfung, 2. Zulassen des Falls, 3. Erwählung-Rettung. In diesem Schema ist Erwählung wesentlicher eine Erwählung gefallener menschlicher Wesen.

Die meisten Reformierten Theologen waren Infralapsarianisten. Die reformierten Bekenntnisse erklären sich meist in infralapsarianistischen Weisen ohne die andere Position zu verurteilen. In letzter Zeit haben manche Theologen wie Herman Bavinck abgelehnt überhaupt eine Position einzunehmen. Im Gefallen an solcher Neutralität mag gut argumentiert werden, dass beide Seiten ihre Kompetenz den göttlichen Willen [engl.: mind ] zu lesen übertrieben haben. In der Ansicht dieses Schreibers ist das meiste, was von der Schrift selber gelernt werden kann, dass jeder Gedanke Gottes die anderen [Gedanken Gottes] mit einbezieht, d.h. das sein Verlangen [engl. purposes] eine Einheit bildet. Diese Voraussetzung gestattet sind viele „Reihenfolgen“ möglich: Gott mag A um B willen und gleichzeitig B um A willen tun. So mag in den vielen verschiedenen Reihenfolgen Wahrheit liegen und sie mögen weniger einander ausschließend sein als Theologen gedacht haben.

Diese Diskussion könnte wirken, als wenn sie wenig mit  kontemporären theologischen Fragen und Anliegen zu tun hat, aber dort sind Parallelen  mit moderner Theologie. Eine „Reihenfolge von Beschlüssen“ ist in etwa das, was moderne Theologen tun, wenn sie ein biblisches Konzept als „zentrale Botschaft“ der Schrift ansehen und dann versuchen alles andere in Bezug auf dieses zentrale Konzept zu erklären. Folglich „Theologien über“ dies und das: Hoffnung, Freiheit [bzw. Befreiung], Word Gottes, Bund, persönliche Beziehung, Krisen, etc. Es ist, als ob Gottes erste Beschlussfassung war, Hoffnung oder Freiheit oder was auch immer zu schaffen und Gott dann alles andere machen würde, um diese erste Beschlussfassung zu realisieren. Meines Erachtens ist darum die in den vorigen Absätzen skizzierte Lektion auf viele moderne Theologien genau so anwendbar wie auf den klassischen reformierten Gedanken.

Bibliography (Frame)

Frame, John, Doctrine of the Knowledge of God) ( Phillipsburg , N. J.: Presbyterian and Reformed Publ. Co., 1987), pp. 260-267.
Muller, Richard, Christ and the Decree ( Durham , N. C.: Labyrinth Press, 1986).
Warfield, B. B., The Plan of Salvation( Grand Rapids: William B. Eerdmans Publ. Co., 1942).

Bibliographie und Quellen (Blogartikel)

[*1]: en.wikipedia.org/wiki/Lapsarianism

[*2]: http://www.gotquestions.org/lapsarianism.html

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