Soli Deo Gloria

Im Leben und Sterben: Einheit mit Christus!

Die Menschlichkeit aller Lehre

In den Kommentaren auf diesem Blog (aber auch und vor allem auf theoblog.de) kam immer wieder durch, wie man denn Autoren zitieren könnte, die sich in gewissen Fragen von unserer Meinung unterscheiden.

Darauf möchte ich hier etwas eingehen und andere Blogartikel erwähnen, die sich bereits mit diesem Thema (in Bezug auf spezielle Autoren) auseinandergesetzt haben.

Sola Scriptura oder Solo Scriptura

Sind wir reformatorisch oder biblizistisch? Das ist die Frage, die sich bei der Behandlung anderer Autoren stellt. Oder anders formuliert: Brauchen wir allein die Schrift oder nur die Schrift?

Diese Diskussion könnte zunächst etwas anmaßend wirken, wenn wir aber näher hinschauen ist eine Überinterpretation des reformatorischen Prinzips (sola sriptura – alleine die Schrift) hin zum Biblizimus (solo sriptura) in dem Denken vieler verankert: Wenn ich bloß die Bibel lese, dann brauche ich mir von anderen nichts mehr sagen zu lassen; Meine Erkenntnis aus der Schrift muss doch nicht an der Geschichte geprüft werden – es steht doch so da! (Oder auch nicht ganz so extrem: Wenn ich ein Jahr lang mal keine Bücher über die Bibel lese, sondern nur die Bibel, dann werde ich alles besser verstehen als je zuvor.)

NEIN, das ist nicht reformiert, sondern biblizistisch. Natürlich sind sola sriptura und solo sriptura nah beieinander, aber es gibt eben dieses Grundlegende Missverständnis bei solo sriptura. (Für eine gute Definition siehe hier; eine sehr gute Abhandlung hierzu existiert von John Frame: In Defense of something close to Biblicism)

Ron Kubsch (Autor von theoblog.de und Dozent am Martin Bucer Seminar) vertritt m.E. derzeit am deutlichsten die Notwendigkeit, das reformatorische Prinzip „von den Vätern lernen“ nicht zu vergessen. Dies ist von großer Bedeutung für unser Schrift- und Glaubens(lebens)verständnis!

Warum komme ich auf diesen Punkt? Es ist mir wichtig, dass wir von den Vätern lernen, also die Bibel auch durch Betrachtung der Geschichte besser verstehen lernen. Dies tun wir nun zuerst dadurch, dass wir Werke von Theologen (und/oder Pastoren, etc.) lesen und in ihren historischen Kontext einordnen.

Damit lässt sich auch begründen, dass Autoren untersucht werden, die zu gewissen Themen große Erkenntnisse hatten, bei anderen aber vollständig gefehlt haben. Autoren, die sich zu sehr großen Teilen an der vorangegangenen Geschichte und vor allem an der Bibel orientiert haben sind natürlich noch höher und lesenswerter einzustufen. So ist Luther eigentlich bekanntestes Beispiel, dass selbst die großen Theologen Fehler machen: Seine Gedanken zum Volk Israel und über die Juden sind durchaus unbiblisch.

Nun aber zu dem Teil „Prüft alles, und behaltet das Gute!“ (1. Thess. 5,21).

Im Folgenden kann nicht zu allen Autoren eine vollständige Stellungnahme gegeben werden, und dennoch kann ich hier auf einige Artikel hinweisen, die helfen, die Autoren einzuordnen – und letztlich jeden Autor empfehlen, da sie alle lesenswert sind! Ich will mich auf einige Autoren beschränken, die allgemeine Stellungnahme aber auf alle Autoren beziehen. Ich erwähne also Autoren, die ich als empfehlenswert empfinde; und nicht solche Autoren, die es nur wegen des „so nicht“ lohnt zu lesen.

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Augustinus

Eines der größten Vorbilder, welches dennoch in einigen Punkten Fehler gemacht hat. Teilweise hat er diese selber erkannt und später in seinem Werk Retractationes (dazu siehe z.B. hier), andere hingegen niemals revidiert und auch niemals als Fehler gesehen.

John Piper zeigt hier auf, wo z.B. Augustinus falsch lag. (Hierzu: Demnächst werde ich eine Sammlung an Links zu Artikeln von und über Augustinus in diesem Blog veröffentlichen.)

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Dietrich Bonhoeffer

In der Tradition Luthers stehend (in dem Guten, aber teilw. auch in dem Schlechten) gibt es bei Bonhoeffer auch gewisse Schwerpunktsetzungen, die sich als übertrieben herausstellen – damit ist aber nicht der Charakter dahingegeben, dass wir von ihm lernen können. (Dieser Blog – http://glaubereal.wordpress.com/ – hat sich eindrücklich mit Bonhoeffers Gedanken beschäftigt, und legt diese dar; der Leser prüfe dies aber selbst.)

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C. S. Lewis

Einer der großen Autoren, die wenigerfür das theologische Herangehen, sondern für die Verarbeitung des Theologischen bekannt sind! Großartige Werke und interessante und spannende Romane und Erzählungen – mit biblischen Wahrheiten und Bildern!

Aber auch hier gibt es Dinge, die dem aufmerksamen Leser auffallen. So schreibt Stephen Altrogge hier etwas über seine „Probleme“ mit Lewis. Einen sehr empfehlenswerten Artikel schreibt Kevin DeYoung: http://thegospelcoalition.org/blogs/kevindeyoung/2011/01/28/cautions-for-mere-christianity/. Er handelt u.a. von der Sichtweise Lewis´in Bezug auf das Sünopfer (Atonment).

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Abraham Kuyper

Eigentlich der Ausgangspunkt der Diskussion – die Kommentare zu diesem Artikel (den ich fälschlicherweise als eine „Empfehlung“ bezeichnet hatte) – bleibt nun als letzter in der Reihe für diesen Blogpost noch Abraham Kuyper.

Ich habe bereits zwei Artikel über Kuypers Definition des Calvinismus veröffentlich, und dennoch bin ich mir bewusst, dass auch er einige Schwächen hatte.

Beim Lesen von Kuypers Sechs Vorlesungen über den Calvinismus bin auch ich auf einige Fragwürdige Stellen gestoßen. Darum Kuyper aber nicht zu schätzen, oder ihn gar nicht erst zu lesen wäre Schwachsinn. So schreibt Samuel Jäger in seinem Vorwort zu der deutschen Übersetzung des Werkes:

Über die Menschenmängel auch dieses Werks wird jeder einsichtige Mann hinwegsehen und das gewaltige Zeugnis zu Herzen nehmen von dem souveränen Gott, dem allein die Ehre gebührt.

Rons Kommentar zur Verwendung von Kuyper ist hier zu finden. Auch ich will die zusammenfassenden Sätze zitieren:

Aber Deine Frage “Brauchen wir Kuyper?” klingt mir zu plakativ. Das ist so, als ob ich mit Verweis auf Luthers anti-jüdische Schriften frage: Brauchen wir Luther?
Ist es nicht ein großer Ertrag des christlichen Glaubens, dass wir Christen uns zu unseren Fehlern oder unserer Schuld stellen können?

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Mit diesem Artikel durch ein weiteres Zitat  aus selbiger Diskussion abzuschließen erscheint mir angebracht:

Wir sollen urteilend [aber auch: Urteilen] lernen. Wir werden bei Augustinus, Luther, Calvin, Kuyper, Bonhoeffer usw. natürlich Dinge entdecken, die wir heute (auch im Lichte der Bibel) anders sehen. Heißt das, dass wir diese Riesen nicht brauchen?

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Mit Blick auf Abraham Kuyper empfehle ich auch, die Kommentare auf dieser Seite (Diskussion) zu lesen – die angegeben Ressourcen helfen ungemein!

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Ein Kommentar zu “Die Menschlichkeit aller Lehre

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