Soli Deo Gloria

Im Leben und Sterben: Einheit mit Christus!

Gemeinschaft mit Gott! Oder: Abraham Kuyper – Teil 2

Was nun ist ein zentraler historischer Aspekt des Calvinismus (nicht: eine zentrale Lehre)? Wenn ich Calvinist bin, was glaube ich dann im Vergleich zu anderen Weltanschauungen?

Dieser Frage geht Abraham Kuyper in einer kleinen Abhandlung über den Calvinismus als Lebenssystem nach. Dabei ist ihm wichtig, dass der Calvinismus beanspruch komplettes Lebenssystem zu sein (im Gegensatz zum Luthertum, welches krichlich und Theologisch bleibt [S. 16]).

»Und neben und gegenüber diesen dreien [Lebenssystemen] steht nun der Calvinismus mit einem ebenso tiefen Grundgedanken. Er sucht Gott nicht in der Kreatur wie der Paganismus, er isoliert Gott nicht von der Kreatur wie der Islamismus, er stellt zwischen Gott und die Kreatur keine vermittelnde Gemeinschaft wie Rom, sondern proklamiert den hohen Gedanken, daß Gott, hoch in seiner Majestät über aller Kreatur stehend, dennoch mit dieser Kreatur unmittelbare Gemeinschaft hält durch seinen heiligen Geist. Dies ist denn auch Herz und Kern des calvinistischen Bekenntnisses der Prädestination: Gemeinschaft mit Gott, und zwar eine bis in die Ewigkeit, das heißt bis in seinen Ratschluß durchgeführte Gemeinschaft; keine Gnade als solche, die unmittelbar aus Gott uns zukommt; in jedem Augenblick des Lebens unsere ganze geistige Existenz von Gott selber getragen; jedes Kind Gottes mit ihm in unmittelbare Gemeinschaft tretend und in seiner ganzen Existenz ihm dienend. Das „Soli Deo gloria“ war Resultat, nicht Ausgangspunkt, und die Prädestination wurde unerbitterlich festgehalten, nicht um Scheidung zwischen Mensch und Mensch zu machen, viel weniger noch um dem eigenen Stolz zu schmeicheln, sondern um uns von Ewigkeit und bis in Ewigkeit eine direkte und unvermittelte Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott zu verbürgen.«

Weiter heißt es dann, dass dieses Lebenssystem des Calvinismus für alle schichten gilt und (ganz zentral) wir unser ganzes Leben vor dem Angesicht Gottes leben:

»Bei allen [Ober- und Unterschicht, etc.] zeigt sich das selbe Merkmal: Gewissheit des Glaubens ohne Dazwischenkunft der Kirche, ja im Gegensatz zur Kirche. Das menschliche Herz ist mir seinem Gott zu ewigem Frieden gekommen, fühlt sich durch diese Gemeinschaft mit seinem Gott gestärkt, ahnt darin eine hohe, heilige Berufung, richtet auf Gottes Ehre jede Lebensäußerung und jede Kraft; und wenn der Mann oder die Frau, die dieses Lebens mit Gott teilhaftig wurden, gezwungen werden, den Glauben preiszugeben, das können sie nicht, dann müssen sie ihren Gott festhalten und besteigen zu Tausenden und Zehntausenden den Scheiterhaufen, nicht klagend, sondern jauchzend, mir einem Loblied im Herzen und mit einem Psalm auf den Lippen. Dies nun hat nicht Calvin, sondern Gott durch seinen heiligen Geist getan, in Calvin wie in ihnen. […]

Dank dieser Tat Gottes an den Herzen ist es jetzt der Grundgedanke des Calvinismus geworden, daß er mit seinem ganzen Leben vor dem Angesichte Gottes steht

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