Soli Deo Gloria

Im Leben und Sterben: Einheit mit Christus!

Die unmitteilbaren Eigenschaften Gottes und die Freude

Zunächst mag dies ein merkwürdig erscheinender Titel sein. Was hat ein höchst theoretisch-theologisches Thema mit der Freude zu tun?

Dies ist ein Bericht aus unserer Gemeindebibelschule (GBS):

Eigentlich ein Sonntag wie generell alle drei Wochen, am Abend sollte das Zusammentreffen zur GBS stattfinden; Thema „Die unmitteilbaren Eigenschaften Gottes“. Als Leiter gingen wir schon mit der – m.E. verständlichen – Einstellung „man vermittelt – so gut man kann – theoretische Grundlagen über das Wesen Gottes“ an die Sache heran. Ja, durchaus ist unsere GBS sehr denk-lastig, was auch nicht verkehrt ist; denn nur wenn man Gott kennt, weiß man, wen man anbetet. Aber gerade den letzten Teil des Satzes hatten wir wohl vergessen (oder zumindest verdrängt). Sollte gerade heute Abend – bei diesem nun von Grudem (an dessen Text aus der systematischen Theologie wir uns orientierten) wirklich sehr schwierig und komplex ausgeführten Thema – die Freude durchbrechen. DAS war der Fall. Wir sprachen über Definitionen von Gottes Unabhängigkeit, Gottes Unveränderlichkeit und Gottes Ewigkeit – schwierige, vor allem theoretische Angelegenheiten; im Prinzip jedem klar, aber niemals so deutlich formuliert. Dann auf einmal wurde unserer Gruppe klar, dass wir nicht einfach nur lernten, um des Lernen willens, sondern über Gott lernten. Anbetung machte sich weit (hier ist es nur wahrlich schwer zu beschreiben, was vorging). Klar ist: Die Wahrheiten über Gott bringen in eine anbetenden Haltung!

Interessant war dann im Gespräch auch der Verweis auf Piper, der in einem seiner – in einer vorigen Lektion behandelten – Texte schreibt:

Es ist tragisch, dass heutzutage intensives Nachdenken mit kalten Herzen verbunden wird. Dies ist nicht die Erfahrung der großartigsten christlichen Denker. Freude und Forschen gehen Hand in Hand. „Groß sind die Werke des HERRN; wer sie erforscht, der hat Freude daran.“ (Psalm 111,2).

[…]

Heute verkünden beinahe alle Impulse in Veröffentlichungen und im Gemeindeleben in Amerika, dass unser Feuer nicht durch Lehre und Nachdenken, sondern durch schnelle Weisheiten, nette Geschichten, leichte Erbauungsliteratur und Musik entzündet wird. C. S. Lewis machte eine völlig andere Erfahrung und meine ist dieselbe wie seine.

Ich meinerseits neige dazu, die Lehrbücher oft hilfreicher zu finden für die Auferbauung als die Erbauungsliteratur und ich vermute sogar, dass viele andere dieselbe Erfahrung machen könnten. Ich glaube, dass viele, die denken, es „geschehe nichts“, wenn sie sich mit einem auferbauenden Buch hinsetzten oder hinknieten, feststellen würden, dass ihr Herz unaufgefordert singt, während sie sich mit einer Pfeife zwischen ihren Zähnen und einem Bleistift in der Hand durch ein schwieriges Stück Theologie hindurcharbeiten.

Amen! (Okay, mit Ausnahme der Pfeife!) Natürlich gibt es sehr schlechte theologische Bücher, genau so, wie es sehr schlechte Erbauungsliteratur gibt. Beide werden Ihre Freude umgehend austrocknen. Aber man sollte nicht aufhören, Früchte zu essen, nur weil man beim letzten Versuch eine Zitrone erwischt hat. Die meisten der süßen, reichhaltigen Früchte der christlichen Lehre sind alt. Augustinus, Johannes Calvin, Martin Luther, die Puritaner, Jonathan Edwards, Charles Hodge. Lesen Sie die alten Bücher. Es ist ein großer Fehler, zu denken, dass die großen Bücher von früher zu schwer zu verstehen sind. C. S. Lewis hat recht, wenn er darlegt, dass die Größe der alten Autoren folgende ist: „Der große Mann, gerade wegen seiner Größe, ist viel verständlicher als seine neuzeitlichen Kommentatoren.“
Je neuer die Lehrbücher sind, desto verbreiteter ist die traurige Trennung zwischen reiner Wissenschaft und greifbarer Leidenschaft für Christus. Die meisten Evangelikalen haben dem Bedürfnis nach offensichtlicher Gleichgültigkeit im Schreiben über äußerst wichtige Dinge nachgegeben. Es ist sehr traurig. Wayne Grudems Systematic Theology (bis heute nur in Englisch erhältlich) ist eine freudige Ausnahme, und ich empfehle sie dem Durchschnittsleser als Buch, bei dem das Herz „unaufgefordert singt“, während er sich durch ein schwieriges Stück Theologie hindurcharbeitet. Natürlich gibt es auch andere solche Bücher. Bei den Puritanern zum Beispiel werden Sie nicht sehr kritisch prüfen müssen.

(Quelle: Kapitel 8, When i don’t desire God)

 

Tiefe theologische Literatur zu lesen – noch so anstrengend das sein mag – bringt uns weiter! Im geistlichen Wachstum, in der Heiligung, in der Freude – und damit auch im zwischenmenschlichen.

Nur, wer seine Freude aus Gott schöpft, der kann wahrhaft echte Beziehungen führen!

Durch das Lesen über Gott lernen wir mehr von Gott – und eine Beziehung zu jemandem führt man, indem man von und über ihn lernt. Über ihn in theologischen Büchern (s.o.),von ihm in der Bibel.

Nicht zuletzt ist die Bibel das Buch, was mir des öfteren volle Konzentration abverlangt, weil es so „schwierig“ (in jedem noch so einfachen Vers stecken noch und nöcher Wahrheiten)  ist – von Gott lernen wir nur in seinem Wort.

Pflegen wir unsere Beziehungen? zu Gott und zu den Menschen? Dann werden wir lesen: Das Wort Gottes und gute theologische Literatur!

 

(Anmerkung: Ich ordne dieses Post auch in die Kategorie „mehr als Theologie“ ein, da die Theologie es ist, die nicht in sich selbst verharrt, sondern auf Beziehungen verweist – Beziehungen zu Gott und den Menschen; auf sein Wort gegründet)

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 22. Dezember 2010 von in Glaubensleben und Kommentare, Ressourcen und Media, Systematische Theologie, Zitate und getaggt mit , , , , , .

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